L L - Demo

Der rotierende Gedenkstein

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könnt Ihr hier einen Auszug aus der Broschüre der AMS Hamburg über die Geschichte des Gedenksteins lesen. Vielen Dank an www.marxisten.de

 

Die Demonstration

Die Erinnerung an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurde von der KPD und der revolutionären ArbeiterInnenbewegung am Leben erhalten. Alljährlich demonstrierten Zehntausende nach Berlin-Friedrichsfelde, wo Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und 31 ermordete JanuarkämpferInnen begraben liegen.

Nach dem Tode Lenins am 21. Januar 1924 wurde auch dieser große Revolutionär in die Ehrung einbezogen, es entstanden die LLL-, die Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Feiern.

Nach Entwürfen von Mies van der Rohe wurde 1926 an der Grabstätte das Denkmal der Novemberrevolution - auch Denkmal für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht genannt - aus gebrochenem sprungrotem Oldenburger Hartbrandklinker aus Abbruchbeständen errichtet. Es bestand aus übereinanderliegenden und gegeneinander verschobenen Quadern, war rund zwölf Meter lang und sechs Meter hoch und trug einen Stern mit Hammer und Sichel und eine Fahnenstange. Finanziert wurde das Denkmal durch Spenden aus der Arbeiterschaft. Am 13. Juni 1926 wurde es mit einer Ansprache von Ernst Thälmann vor zehntausenden Menschen eingeweiht. Wilhelm Pieck, der Kampfgefährte Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, charakterisierte das Denkmal in der "Roten Fahne" mit den Worten: "Einfach, massig, wuchtig, wie die revolutionäre Kraft des Proletariats erhebt es sich auf dieser Grabstätte unserer Führer und Kampfgenossen. (...) So soll uns das Denkmal mit der von ihm wehenden Fahne und dem an ihm leuchtenden Sowjetstern ständig ein Mahnzeichen zum Kampf sein, zum Sammeln der Massen für den Kampf, zur Organisierung der Revolution und der höchsten Kraftentfaltung, um sie zum Sieg zu führen." Jedes Jahr im Januar war es nun das Ziel der LLL-Demonstrationen. Außerdem war es Ort zahlreicher Kundgebungen und Ehrungen der revolutionären ArbeiterInnenbewegung, wurden dort Opfer der Klassenjustiz und des konterrevolutionären und faschistischen Terrors beigesetzt. Die letzte öffentliche Kundgebung an diesem Denkmal fand noch im Februar 1933 statt, als zwei von den Nazis ermordete Jungkommunisten beigesetzt wurden und Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts Kampfgefährte Wilhelm Pieck noch einmal öffentlich auftrat.

Das Denkmal wurde nach der Machtübernahme durch die Hitler-Faschisten 1933 geschändet, das Mahnmal zerstört. Doch auch in der Illegalität fanden sich KommunistInnen zu kleinen, geheimen LLL-Feiern zusammen. Ob in Spanien in den Internationalen Brigaden im Kampf gegen die von Hitler-Deutschland unterstützten Franco-Faschisten, ob im Exil, im Untergrund, in den Konzentrationslagern - Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir Iljitsch Lenin wurden nicht vergessen.

Nach der Befreiung vom Faschismus vor allem durch die sowjetische Rote Armee am 8. Mai 1945 konnte Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Lenin wieder offen gedacht werden. Die jährlichen LLL-Demonstrationen entwickelten sich in der Deutschen Demokratischen Republik zu staatlich geplanten und durchorganisierten Massendemonstrationen, vorbei an der Ehrentribüne mit der Partei- und Staatsführung.

Die Massenmedien der "freien Welt" interessierten sich normalerweise nur am Rande - wenn überhaupt - für diese Großdemonstrationen in der Hauptstadt der DDR. Aber urplötzlich, 1988, waren alle Zeitungen, alle Nachrichtensendungen voll mit Bildern von der LLL-Demonstration. Was war geschehen? Eine Handvoll von "BürgerrechtlerInnen" hatte am Rande der Demonstration ein Transparent mit dem Rosa-Luxemburg-Zitat "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden" entrollt. Der Volkspolizei paßte das überhaupt nicht, sie kassierte Transparent und DissidentInnen ein. Einige von ihnen mußten wenig später die "Freiheit der Andersdenkenden" im Westen genießen... Und noch heute erwähnen Fernsehen und Zeitungen in ihren Berichten von den immer noch stattfindenden Demonstrationen in jedem Jahr wieder von neuem, diese Demos seien früher "staatlich verordnet" gewesen und daß 1988 "BürgerrechtlerInnen" dieses Bild gestört hätten...

Nach der "Wende" 1989 demonstrierten die Menschen am 14. Januar 1990 zum ersten Mal ohne staatliche Organisation zur Gedenkstätte der Sozialisten. ADN, die DDR-Nachrichtenagentur, berichtete: "Weit über drei Stunden zogen mehrere Hunderttausend Demonstranten am Sonntagvormittag zur Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde und verneigten sich in ehrendem Gedenken an der letzten Ruhestätte der Vorkämpfer für einen demokratischen Sozialismus."I In Karl-Marx-Stadt (heute vorübergehend Chemnitz) versammelten sich am selben Tag Zehntausende am Marx-Denkmal, in Dresden kamen mehr als 10.000 Menschen zum Allendeplatz, in Schwerin demonstrierten Tausende gegen den Neofaschismus. Zum Berliner Alexanderplatz hatte die Noske-Nachfolgepartei SPD zu einer eigenen Kundgebung aufgerufen, bei der der Westberliner SPD-Vorsitzende Momper aufrief, "bei der Errichtung eines demokratischen Sozialismus niemanden auszugrenzen."II

1992 zog erstmals ein Demonstrationszug von mehreren Tausend Menschen vom Leninplatz zur Gedenkstätte der Sozialisten. An der Spitze des Zuges wurde ein Wagen mit Steinen des Lenin-Denkmals mitgeführt, dessen Abriß am 8. November des Vorjahres entgegen massiver Proteste vieler BerlinerInnen begonnen hatte. Viel mehr jedoch waren auch in diesem Jahr direkt nach Berlin-Friedrichsfelde gefahren. Das "Neue Deutschland" zählte rund 100.000 TeilnehmerInnen, die Polizei kam auf "nur" 50.000 Menschen.

1993 behauptete die Polizei, die Zahl der DemonstrantInnen haben abgenommen (was sie seither jedes Jahr wieder erzählt), nannte aber erneut eine Zahl von rund 50.000 Menschen. Doch der Eindruck vieler Menschen war, daß die Zahl der TeilnehmerInnen gegenüber dem Vorjahr eher noch zugenommen habe. Auch in diesem Jahr war ein Zug vom Leninplatz, jetzt vorübergehend "Platz der Vereinten Nationen", unter Schalmeienklängen zur Gedenkstätte der Sozialisten demonstriert, wo er von Tausenden begeistert empfangen wurde.

1994 organisierte die Hamburger DKP-Gruppe Junge KommunistInnen (JUKO) erstmals eine Busfahrt aus Hamburg zur LLL-Demonstration in Berlin. Seither gibt es diese Busfahrten jedes Jahr und aus dem einen Bus sind längst mehrere geworden, genauso, wie auch die LLL-Demonstration Jahr für Jahr mehr bundesweite Dimensionen erreicht hat. 1994 war das noch etwas besonderes, das Hamburger JUKO-Transparent wurde immer wieder mit Beifall bedacht: "Oh, sogar aus Hamburg sind welche da - toll!" Die Polizei mußte zugeben, daß sich die Zahl der TeilnehmerInnen gegenüber dem Vorjahr "verdoppelt" habe, schätzte aber nur etwa 80.000 Menschen (soviel zu den Kopfrechenkünsten der Bullerei). Allein 10.000 Menschen beteiligten sich an der Demonstration vom zerstörten Lenin-Denkmal am umbenannten Leninplatz zur Gedenkstätte, eine Zahl, die seither regelmäßig für diese explizit revolutionäre Demonstration erreicht oder übertroffen wird. In Wiesbaden demonstrierten in diesem Jahr ebenfalls mehrere Tausend Menschen aus Anlaß des 75. Jahrestages der Ermordung von Rosa und Karl.

1996 hatte die Zahl der DemonstrantInnen noch einmal zugenommen, wieder nahmen um die 100.000 Menschen an der Ehrung und über 10.000 Menschen an der Demonstration teil. Erstmals griff die Polizei in diesem Jahr direkt die LLL-Demonstration an. Ein Hamburger Teilnehmer erinnerte sich: "Die Demonstration bewegt sich durch die Straßen der ehemaligen Hauptstadt der DDR, begrüßt von AnwohnerInnen und PassantInnen. Es herrscht eine freudige, friedliche Stimmung - und Begeisterung über die erneut zugenommene große Zahl der Menschen, die sich entgegen dem herrschenden Zeitgeist das Gedenken an Lenin, Liebknecht und Luxemburg nicht nehmen lassen. Doch plötzlich zieht Polizei auf. Viele Hundertschaften in voller Kampfmontur. Die Knüppel gezückt, die Schilder vor sich haltend, die Visiere geschlossen. Und dann knüppeln sie in die Demo - völlig grundlos, brutal und rücksichtslos. Hinterher wird die Polizeiführung wahlweise behaupten, ´Vermummte´, ´Autonome´ oder ´PKK-Sympathisanten´ seien der Auslöser gewesen. Lüge! Die Tausenden, die demonstrierten, haben es mit eigenen Augen gesehen: die Polizei knüppelte brutal drauflos, ohne daß es irgendeinen auch nur ansatzweise erkennbaren Grund dafür gegeben hätte. Menschen nicht-deutscher Nationalität und Deutsche waren dort vereint gewesen, wo die wie für einen Bürgerkrieg ausgestattete Staatsmacht Menschen zusammenschlug und willkürlich aus den Reihen der Demonstration zerrte - immer wieder und wieder. Kaum hatte sich die Lage etwas beruhigt und sich der Demozug wieder in Bewegung gesetzt, da schlugen die Polizisten wieder zu. Erst an der Gedenkstätte der Sozialisten schien es so, als könnte die Ehrung der von den Vorgängertruppen der heutigen Polizei ermordeten Rosa und Karl friedlich durchgeführt werden. (...) Doch plötzlich wieder Sirenen. Ohne Vorwarnung stürmen Polizeihundertschaften in die Zehntausenden. Ohne Rücksicht auf die vielen alten Menschen stürmen sie im Laufschritt voran, reißen alte Frauen zu Boden. Dann rasen sie auch noch mit ihren Mannschaftswagen in die Menge, viele Menschen müssen zur Seite springen, um nicht unter die Räder zu kommen. Der Angriff der Polizei fordert viele Verletzte, darunter auch zahlreiche Schwerverletzte! Die Reaktion der Menschen bleibt trotz aller Wut besonnen."III

In den bürgerlichen Medien stellt sich das ganz anders dar. Berlins Blut-Blatt "BZ" titelte: "Luxemburg-Demo: Plötzlich flogen Steine" und schwadronierte von 500 Vermummten die Steine geworfen hätten. Die "Berliner Morgenpost" nannte den brutalen Polizeiangriff "Rangeleien", die "Berliner Zeitung" mußte immerhin ausdrücken das die Polizei "überraschend" das Gelände vor dem Friedhof stürmte. Die linke Presse kommentierte natürlich anders. "junge Welt" notierte, man setze jetzt "auf Angstmache und Repression" nachdem die "Stigmatisierung als Treffen von ´Unbelehrbaren´ offensichtlich nichts genützt" hätte. Die PDS-Führung protestierte zwar gegen den Polizeieinsatz, distanzierte sich aber auch gleich von den revolutionären TeilnehmerInnen - die Demonstration solle nicht "für andere Zwecke" mißbraucht werden. Die Hamburger DKP-Gruppe JUKO, die wieder einen Bus zur LLL-Demo organisiert hatte, protestierte mit einer in mehreren linken Zeitungen abgedruckten Presseerklärung: "Die Polizei trägt die alleinige Verantwortung für die große Zahl von Verletzten - vor allem unter den friedlich Demonstrierenden! Es ist völlig klar, daß ein solcher Angriff der Staatsmacht gegen eine friedliche Demonstration nicht dem hohlen Kopf eines Einsatzleiters entsprungen sein kann. Die Verantwortlichen für diesen Akt staatlichen Terrorismus sitzen in den Regierungsetagen!" Abschließend rief die Gruppe zu einer "noch größeren LLL-Demonstration 1997" aufIV.

Ein Jahr nach diesen Ereignissen rief aus Hamburg erstmals ein breiteres Bündnis, darunter JUKO, die DKP und die PDS/Linke Liste, zur Teilnahme an der LLL-Demonstration auf und organisierte gemeinsam die Busfahrt und Vorbereitungstreffen.

 

 

 

©Alle Fotos:
J T

 

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